Adolf-Hitler.ch > Hitler heute > Nazivergleich

Nazivergleich

(aus Wikipedia)

Der Begriff Nazi-Vergleich wurde nach den Linguisten Eitz und Stötzel als Neologismus in den 1980er Jahren durch die Massenmedien eingeführt und taucht seitdem insbesondere in Pressekommentaren immer wieder auf.[2] Beschrieben wird mit dem Begriff eine diskursive Praxis, die die kommunikative Maxime verletze und die kognitive Rolle des Vergleichs bewusst missbrauche.

Er wird in diesem Zusammenhang oft als sogenannter Fehlschluß bzw. „Totschlagargument“ verwendet und in politischen Debatten auch zur Diffamierung des politischen Gegners missbraucht. Er ist zu unterscheiden von diesbezüglichen wissenschaftlichen Vergleichen.

Nach dem Politologen Norbert Seitz gehöre „die Nazi-Analogie […] seit Gründung der Bundesrepublik zum probaten Totschlagarsenal in der politischen Auseinandersetzung“. Er unterschied drei Verwendungsphasen:

Im Kalten Krieg durch Gleichsetzungen des „real-existierenden Sozialismus“ mit dem NS-Staat als antikommunistisches Propagandamittel der politischen Rechten, in den 1960er Jahren die Kritik oppositioneller Linker aufgrund zum Teil berechtigter moralischer Empörung gegenüber der alten „restaurativen“ Bundesrepublik und schließlich die Verwendung nach der Historikerdebatte 1986 infolge einer „wachsenden Skandalisierung von Politik“ und der „Enthistorisierung des Holocaust“.

Seitz zufolge sei aber der Vergleich kein rein deutsches Phänomen, da weltweit viele verbrecherische Diktatoren und politische Führer mit Hitler verglichen werden, wie etwa seit den 1990er Jahren: Saddam Hussein, Slobodan Milošević, Jassir Arafat, Osama bin Laden. Gleichzeitig tauche die Schoah als Metapher im Kuwait-Feldzug Desert Storm 1991 auf, während des Kosovo-Krieges 1998 wie nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 im israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt oder im Kampf gegen die Taliban als „Äquivalent zu Hitlers SS“.

Der Holocaust würde international längst als Metapher für das „absolut Böse“ verwandt. Die Vergangenheit würde nach dem Sozialpsychologen Harald Welzer enthistorisiert werden und lasse sich als „legitimatorisches Label im Kampf gegen böse Staaten und Diktatoren einsetzen“.

NS-Vergleiche, insbesondere zum Holocaust wie etwa „Babycaust“, werden daher auch als Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus kritisiert. Insbesondere wurden solche Vergleiche in der katholischen Kirche sowie der Umwelt- und Friedensbewegung häufig genutzt, nachdem der Begriff Holocaust 1979 in Deutschland durch die gleichnamige Fernsehserie als neues „Horrorwort“ entdeckt wurde und etwa als Warnung vor einer Nukleargefahr diente. Nach Stötzel und Eitz wurde so aus einer nicht bewältigten Vergangenheit eine „Bewältigung der Gegenwart“. Ereignisse, die im allgemeinen Verständnis historisch einzigartig sind, würden durch Vergleiche relativiert sowie „zum Zweck der Instrumentalisierung in heutigen Auseinandersetzungen“ gebraucht werden. Begriffe Rechtsextremer wie „Bomben-Holocaust“ dienten dagegen eindeutig der „Aufrechnung“.

Die französische Linguistin Marie-Hélène Pérennec stellte eine Häufung von Nazi-Vergleichen seit Ende der 1990er Jahre fest und diagnostizierte, „daß der politische Diskurs sich seit einem Jahrzehnt so radikalisiert hat, dass derartige Entgleisungen beinahe allen Rednern passieren können und dass es schwierig wird, zwischen Provokation und Ungeschicklichkeit zu unterscheiden.“

Zur Erklärung der Zunahme verweist sie auf Harald Welzers Aufmerksamkeitsvermutung: „Aufmerksamkeit kriegen sie immer, wenn Sie die Nazi-Karte spielen.“

Doch Pérennec vermutet: „Inzwischen haben sich die Menschen an diese Beschimpfungen gewöhnt und beachten sie kaum noch.“

Die wichtigste Folge dieses Prozesses sei jedoch „die Verharmlosung der Verbrechen der Nazis“, die durch die Gewöhnung an Nazi-Vergleiche verursacht werde.

Login Letzte Änderung:
March 01. 2017 20:20:58
Powered by CMSimple